Schweizermeisterschaften Triplettes Genf 30./31. Mai 09
In Herblingen hatten sich Anfang des Monats das Team Allan Stalker, Jürg Furrer und Peter Pavesi für die Schweizermeisterschaften in Genf qualifiziert. Ich trat mit Ariane Peretti vom PC Tägerig und Nicole Bégue vom PC Trimbach in Herblingen an, aber unsere Leistung war bei weitem nicht das, was wir sonst zu zeigen vermochten. Gemeinsam entschlossen wir uns, wenn auch entmutigt, uns doch auf die Warteliste setzen zu lassen. Am Ende des Turniertages stand fest, dass wir für Genf ein Ticket erhalten hatten. Die Freude war gross und Ariane sprach aus, was auch Nicole und ich dachten:“ wir schauen mal was läuft und sonst haben wir zusammen ein schönes Wochenende in Genf“. Dies zeugt natürlich nicht von viel Zuversicht, aber nach zwei Auftritten, an denen wir unsere Kugeln sozusagen „in den Sand gesetzt“ hatten, verwunderte dies nicht.
Der Start in Genf am Samstagmorgen – ein Dilemma. Der Shutlebus der uns auf den Platz am Plainpalais bringen sollte, war unauffindbar – so nahmen wir den Weg, den niemand wirklich kannte, unter die Füsse, schon fast am Ziel angelangt, bestätigte uns ein Taxifahrer, dass wir Gott sei Dank, auf dem richtigen Weg sind. Unser Walking ersparte uns das Aufwärmen auf dem Platz und so reichte die Zeit gerade noch zum Einspielen. Mit dem Terrain kamen wir alle drei sehr gut zurecht – wenigstens etwas woran wir nicht scheitern konnten.
Das erste Spiel gegen das Team Severine Schnegg – ein Name der in der Romandie häufig in den vorderen Rängen zu finden ist und ihre zwei Partnerinnen, beides Kaderspielerinnen der Junioren konnten wir souverän 13:4 gewinnen. Die zweite Partie gegen Martigny verloren wir mit 8:13 und so spielten wir in der Barrage wieder gegen das Team Schnegg. Wieder spielten wir unsere Souveränität aus und bezwangen die Mannschaft mit 13:5 und zogen damit in den 16tel Final ein.
Wer hätte das gedacht – doch im Team waren wir sehr stark und wir behielten stets die Ruhe. Jeder ist bei Fehlwürfen für den anderen in die „Bresche“ gesprungen. Obwohl wir erst das dritte Mal in dieser Formation spielten, fiel die Harmonie im Team sogar unseren Gegnerinnen auf.
Mit dieser Gelassenheit entschieden wir auch das nächste Spiel für uns und standen somit im 8tel Final. Dieser wurde nun doch noch am Samstag gespielt und wir konnten auch dieses Spiel ruhig angehen, denn wir wurden bisher von keinem Gegner ernsthaft unter Druck gesetzt, da keine Mannschaft mehr als 8 Punkte gegen uns erzielen konnte. So auch im 8tel Finalspiel das wir gegen Bulle mit 13:8 gewannen. Nun hatten wir ein, für uns unglaubliches Ziel erreicht – wir sind unter den besten vier Mannschaften der Schweiz. Umso mehr freute es uns, da auch eine 2. Mannschaft aus der Deutschschweiz dies geschafft hat. Für uns alle Grund genug, darauf mit einem Cüpli auf unseren Erfolg anzustossen.
Auf dem Place Sturm trafen wir auf die Männer und konnten schon die Gratulationen entgegennehmen. Die Freude war riesig und beim gemeinsamen Nachtessen feierten wir unseren Erfolg. An die Devise die ich während des Abends aufstellte: „wir haben heute viel erreicht und was morgen kommt ist nur noch Surprise“ haben wir uns gehalten. Denn auch am Sonntagmorgen traten wir ruhig und gelassen zu einem neuen Wettkampftag an.
Das Gelände war nun ganz anders, abschüssig wenig Sand aber viel „G‘jät“ (Grasnarben). Wir merkten schon beim Einspielen, dieses Terrain, bergab und bergauf, muss mit sehr viel Gefühl gespielt werden – für uns aber kein Problem und wir fühlten uns relativ wohl auf diesem Platz. Das Team von les Meuqueux NE hatte damit sichtlich mehr Mühe und so entschieden wir auch dieses Spiel 13:8 für uns – unglaublich!! wir standen im Halbfinale. Wir lagen uns alle in den Armen und schon jetzt flossen da und dort die Freudentränen. Auch das Team Bimbo mitigé aus der Deutschschweiz gewann ihr Spiel mit 13:7. Bald macht sich die Nervosität bemerkbar. Aber nicht wegen dem weiteren Spielverlauf, sondern wegen der Auslosung. Treffen nun die Teams vom SAP aufeinander, hätten wir wenigstens eine Mannschaft im Finale. Bekommen beide Teams eine andere Mannschaft zugelost, hätten wir keine, eine oder sogar beide Mannschaften im Finale – aber das Letztere wäre eine Sensation! Wir bekamen ein Team aus Martigny zugelost und Bimbo ein mitigé Team aus dem Walls.
Nun hatten es beide Mannschaften in der Hand Geschichte zu schreiben. Am Rand der Spielfelder standen auch immer mehr Zuschauer, denn es hatte sich herumgesprochen, dass sich eine Sensation anbahnte. Wir liessen uns dadurch aber nicht irritieren und spielten wieder ein hervorragendes Spiel mit viel Teamgeist. Die letzte Mène ich habe noch zwei Kugeln auf der Hand und die Gegnerinnen drei und den Punkt ca 10cm hinter dem Cochonnet. Ganz ruhig gebe ich meine Kugel aus der Hand ganz langsam und bedächtig rollt sie bergabwärts und dreht im letzten Augenblick nach rechts vor die gegnerische Kugel ans Cochonnet , die 13! Die Gegnerinnen versuchen nun mit zwei Kugeln meine Kugel anzuspielen, verfehlen und rollen weit hinter das Ziel. Mit der letzten Kugel schiesst die Gegnerin, trifft und die Schusskugel bleibt wieder nah hinter dem Cochonnet liegen. Ich höre von den Zuschauern: machs nochmal so wie vorhin! – doch jeder Spieler/in weiss wie schwer dies sein kann. Doch ich versuche dieselbe Linie zu finden, gebe die Kugel ab, es sieht gut aus und ganz langsam rollt sie denselben Weg wie zuvor, dreht nach rechts und das ist die 13! Geschafft ein Aufschrei geht durch die Menge wir sind im Finale! Nun fliessen die Tränen der Erleichterung auch bei mir und freudig umarme ich mein Team. Schon wird wieder gejubelt auch das Team Bimbo hat ihre Gegnerinnen geschlagen. Was jetzt folgt ist unbeschreiblich. Zuhauf werden Tempos verteilt, alle liegen sich in den Armen – eine Sensation in der Hochburg des Pétanques in Genf; es stehen zwei Teams aus der Deutschschweiz im Finale- das gab es noch nie. Dieses Ereignis geht in die Pétanque-Geschichte ein, denn seit den 60er Jahren ist es das erste Mal, dass zwei Teams aus demselben Verband im Finale stehen. Und Heute wird es der erste Schweizermeistertitel in der Tripplette für die Damen vom SAP sein.
Glücklicherweise wurde das Finalspiel erst auf 14:00 Uhr angesetzt so hatten wir alle Zeit genug uns zu erholen und unseren Emotionen freien Lauf zu lassen. Derweil ist auch unser Herrenteam zu uns gestossen. Im GP wären sie nun endlich aus den Poules gekommen und haben aber Forfait gegeben, um beim Final dabei zu sein. Nach der Mittagspause, in der sich die Sensation in Windeseile verbreitete betraten wir das carré d'honeur (Finalplatz). Der Platz lag voll in der Sonne, war hart, abschüssig und wieder nur mit wenig Sand bedeckt. Auch hier war gefühlvolles abgeben der Kugeln gefragt. Wie sich zeigen sollte, war der Platz nicht ausschlaggebend, sondern welches Team die Bedingungen mit mentaler Stärke besser bewältigen würde. Die Zuschauerränge füllten sich langsam – ein ungewohntes Bild und wir alle waren jetzt ein wenig nervöser als sonst.
Es war wirklich kein hervorragendes Spiel – aber so sind Finalspiele halt – die Nervosität und der Druck wirken sich auf jeden Spielzug aus. Nicole unser „Kücken“ erst 17 Jahre alt war weniger abgebrüht als wir älteren und vor der letzten Mène kam sie zu mir und bat mich die erste Kugel zu spielen. Ich platzierte meine Kugel ca. 15 cm hinter dem Cochonnet, nicht sehr gut doch für dieses Terrain, absolut passabel, aber ich glaubte nicht, dass dies zuletzt der 12. Punkt sein sollte. Die Gegnerinnen versuchten nun besser zu Punkten, gerieten zu lang, zu kurz und die Schützin verfehlte jedes Mal das Ziel. So hatten die Gegner all ihre Kugeln gespielt nur eine war wirklich im Spiel aber doch 20 cm vom Cochonnet entfernt. Meine Partnerinnen sagten zu mir : „so jetz leisch z‘ 13ni mir wei nüme spiele“. Volle Konzentration – die Anspannung ist immens und ich spüre ein leichtes Zittern in meinen Knien – und schicke meine Kugel auf die Reise. Langsam rollt sie Richtung Cochonett, es ist mucksmäuschenstill, als hielten alle den Atem an – Jaaaa! die 13 liegt nah am Ziel!
Der Traum wird wahr wir sind Schweizermeister 2009! Von allen Seiten stürmen die Zuschauer, unsere Clubkammeraden, Spieler und Spielerinnen auf das Spielfeld und ein ungeahnter Freudentaumel beginnt. So viele Freudentränen auch bei Männern – habe ich noch nie gesehen. Die Emotionen waren unbeschreiblich und der Freudentaumel riss kaum ab. Fotografen überall und Gratulanten standen Schlange. Nun noch ein sehr ergreifender Moment Romain Coppey der Präsident vom schweizerischen Pétanqueverband und Freund vom PC Oberwil, hängte uns die Goldmedaille um den Hals und jede von uns nahm stolz eine grosse Siegertrophäe aus Kristall entgegen.
All dies war für uns unfassbar und auch auf der Fahrt mit dem Zug nach Hause liess ich die Bilder Revue passieren und es kam mir noch immer vor wie ein Traum, so viele Eindrücke an einem Wochenende aber ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies nicht die letzten waren. In Winterthur bestiegen wir mit Sack und Pack (ich war froh hatte ich zwei Scherpas alias Jürg und Peter dabei) in ein Taxi. Dies fuhr aber nicht nach Oberwil sondern nach Rutschwil vor das Restaurant Traube. Ich wurde herzlich von der Gemeindepräsidentin Irene Bolli und ihrem Mann empfangen. Ebenso hiessen mich die Gemeinderäte, meine Kinder, die Clubkameraden und einige meiner Freunde willkommen. Die Ueberraschung ist euch gelungen! Und ihr habt mir einen unvergesslichen Empfang bereitet.
Auch in den nächsten Tagen und Wochen wurde gefeiert und der Sieg zelebriert. Jetzt ist es ein wenig ruhiger geworden aber immer noch spielen sich Szenen vor meinen Augen ab und ich denke dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Es ist mir aber sehr wichtig auch nachfolgendes noch zu Papier zu bringen und das die Personen die es betrifft, wissen wie dankbar ich ihnen bin.
Ich widme meinen Titel
meiner Familie, sie mussten in letzter Zeit viel auf mich verzichten,
meinen Eltern, eine Schweizermeisterin zur Tochter hat nicht jeder und ihr dürft zu Recht stolz sein,
den Gründungsmitgliedern, als Meilenstein in der Geschichte ihres PC Oberwil,
meinen Clubkameraden/in, für eure Hilfe, Unterstützung und alle die mich in den Pétanquesport eingeweiht haben,
der Gemeindepräsidentin,
und der Gemeinde, für die Unterstützung und die Zeichen, dass wir auch als kleiner Verein dazugehören,
der Familie Blatter, für das Gastrecht, das uns ermöglicht viele schöne Stunden mit unseren Pétanquefreunden verbringen zu können und unseren wunderbaren Sport auszuüben,
den Sponsoren für ihre Untestützung, damit wir auch in Zukunft an solchen Anlässen teilnehmen können,
allen, die mich auf meinem Weg begleiten.
Therese Pavesi